Flüchtlingskrise Pt. 1

Sie ist derzeit dominierend in jedem Nachrichtenmagazin, jeder Talkshow, jeder Facebook-Timeline und vor allem in jeder Munde – die Flüchtlingskrise. Angesichts der gegenwärtigen Geschehnisse ist die Prominenz dieses Themas auch in keinster Weise verwunderlich, nein, vielmehr könnte sie sich zum wohl prägendsten geopolitischen Ereignis des 21. Jahrhunderts entwickeln. Die gesamte Europäische Union, inklusive des deutschen Staates, ist überfordert in Anbetracht der stetig steigenden Einwanderungszahlen, an denen Deutschland eine wesentliche Mitschuld trägt. Doch solange sich die Lage in den Krisengebieten, aus welchen die Flüchtlinge so massenhaft strömen, nicht verbessert, ist deren Aufnahme das einzig Richtige, was wir tun können. Ein Fakt, der manchen Bürgern hierzulande zunächst einmal nicht schmecken mag.

Angst. Angst vor islamistischen Terroristen, Angst vor einer missglückenden Integrationspolitik und viele weitere Ängste, unter ihnen, jene vor einem kulturellen Wandel der so traditionellen, deutschen und vor allem auch christlichen Kultur. In der Bundesrepublik ist die Stimmung in den letzten Tagen immer angespannter und bedauerlicherweise auch immer militanter geworden. Dies ist ein Phänomen, dass sich vor allem mit besagten Ängsten und Befürchtungen begründen lässt und zunehmend größer werdende Teile der Bevölkerung an den rechten Rand drängt. Dorthin, wo sich noch liberalere Bürger mit rechtsradikalen Extremisten zu einem Publikum mischen und sich anschließend leider oft nicht mehr nur die gemeinsame Tribüne teilen. Kundgebungen von Pegida tragen große Schuld an der gegenwärtigen Radikalisierung der Bevölkerung. In der aufgeheizten Situation schrecken dort praktizierende Redner nicht einmal vor NS-Metaphorik zurück, stellte der türkische Gastredner Akif Pirinçci auf einer solchen Demonstration nicht zuletzt die Asylsuchenden als Invasoren und die deutsche Regierung als Gauleiter gegen das eigene Volk dar. Auch den pietätlosen (wohl als Witz gemeinten) Vorschlag an die Regierung, die Bürger, die mit ihrer Politik nicht einverstanden sind, auf andere Weise loszuwerden – und in diesem Zusammenhang erwähnt er Konzentrationslager – spricht er tatsächlich ins Mikrofon. Ausgerechnet sich und seinesgleichen, jene die sich einer ausländerfeindlicheren und rechteren Propaganda nicht bedienen könnten, stellt Pirinçci als Opfer der Regierung dar und vergleicht sie tatsächlich ansatzweise mit dem Vorgehen des NS-Regimes gegen die damals in Deutschland lebende Juden. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Wie eine Organisation dieses Hintergrundes in der Bevölkerung dennoch einen solchen Zuspruch finden kann ist für mich doch mehr als bedenklich. Natürlich muss ich hierbei anmerken, und den Beiwohnern der Kundgebung zu Gute halten, dass oben genannte Äußerungen nicht nur Zustimmung fanden.

Die Zerrissenheit in der deutschen Gesellschaft führt zu einer noch stärkeren Polarisierung und Radikalisierung aller beteiligter Fronten. Dass dies der zwingend notwendigen schnellen Eingliederung der bewilligten Asylanten nicht förderlich sein kann, ist kein Geheimnis. Es ist eine Bewährungsprobe für Deutschland, für Europa und für die gesamte Welt. Um diese zu einem glücklichen Ende zu bringen müssen alle Parteien ihren Teil leisten und insbesondere zusammenhalten. Der Nahostkonflikt muss beigelegt werden, die Fluchtursachen müssen vernichtet werden. Was ich auf dieser Welt im Moment sehe, ist aber keine Gemeinschaft. Ich sehe Einzelkämpfer, sie sind überall. Russland, das sich eine Vernichtung des Islamischen Staates durch militärisches Eingreifen erhofft, gleichzeitig aber den amtierenden syrischen Machthaber und Tyrann Assad unterstützt und im Zuge dessen gegen moderate Rebellen vorgeht. Europa, dass gespaltener denn je an die Flüchtlingspolitik rein egoistisch und national herangeht. Amerika und Australien, die sich gegenüber der Aufnahme von Immigranten nur teils öffnen oder sich gänzlich abschotten. So unkoordiniert wie die Staaten dieser Welt in letzter Zeit agieren, scheinen wir von der Lösung des Problems immer weiter abzudriften. Doch diese brauchen wir. Der Winter kommt.

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