Flüchtlingskrise Pt. 2 – Die Götterdämmerung

Deutschland steht vor einer Wende. Das raue Klima in der Republik manifestiert sich allmählich zu einem handfesten Sturm, der über jede Ecke des Landes hinweg fegen und zahlreiche Establishments zu Fall bringen wird. Die deutsche Politik und unsere gesellschaftlichen Konventionen sind mittlerweile zu stark von überfälligem Konservatismus und einer überalterten Bevölkerung geprägt, als dass diese noch zeitgemäß sein könnten. Dies offenbart sich auch im Zuge der Flüchtlingskrise.

Die Diskussion um die Richtung der Politik der Bundesregierung in Sachen Migration spitzt sich zu einer immer kontroverseren Grundsatzfrage zu. Selbst in der vorher verhältnismäßig geschlossen wirkenden CDU bröckelt allmählich das Vertrauen in die sonst so bis in den Himmel gelobte Angela Merkel, die Kanzlerin unter der sich Deutschland zu einem anderen, einem liberaleren Staat entwickelte. Jene Frau, unter der Deutschland die Gesetze zu Mindestlohn und Homo-Ehe verabschiedete, jene Frau, die selbst in der Affäre um die Annexion der Krim stets Ruhe und Souveränität ausstrahlte. Doch die Zeit der deutschlandweiten und innerparteilichen Bewunderung scheint abzulaufen, berücksichtigt man die negative Resonanz, die ihr derzeitiges Handeln hierzulande teilweise auslöst und von den Medien dargestellt wird. Zahlreiche Parteifunktionäre und Mitglieder in der Lokalpolitik äußerten sich jüngst abschätzig über ihre Vorsitzende.

Doch die neueste Forsa-Umfrage beweist, dass man die Kanzlerin, auch im Hinblick auf die Bundestagswahl 2017, trotz allem noch nicht abschreiben darf. 82% der Parteimitglieder stehen noch hinter ihrer Kanzlerin, was doch angesichts der Häufung von Negativmeldungen, ein recht hoher Prozentsatz ist. Und auch ich persönlich halte ihre Politik generell nicht für falsch. Was man ihr aber in jedem Falle ankreiden kann, sind die Signale, die sie ganz am Anfang der Migrations-Affäre ausgesendet hat. Es ist absolut nicht verwerflich, dass Deutschland jeden Asylsuchenden seine Grenzen passieren lässt, zumal nach dem Grundgesetz jedem politisch Verfolgten Asyl gewährt werden muss. Jedoch hat Merkel den Flüchtlingsstrom erstens beschleunigt und ihm zweitens, was das wesentlich größere Problem ist, eine Richtung gegeben. Und diese führt Zigtausende von Flüchtlingen unaufhörlich nach Deutschland, vorbei an anderen möglichen Asylländern und auch nicht über unsere Grenzen hinaus. Die Menschen wollen nach Deutschland, was angesichts ihrer Situation aber auch nicht verwerflich ist. Das Schreckgespenst der Fremdenfeindlichkeit und der Unaufgeschlossenheit gegenüber Neuem grassiert in weiten Teilen der Europäischen Union. Warum sollten sich die Reisenden nun in eines dieser Länder wagen, statt ihre Chance in dem so fremdenfreundlichen Deutschland zu versuchen? Auf diese Frage gibt es keine Antwort. Außer vielleicht jener, dass die Kapazitäten in Deutschland auch irgendwann überbelastet sind. Die Rechnung ist einfach, umso mehr Asylbewerber in das gleiche Land einwandern, umso geringer fallen die Leistungen und Zuwendungen für jeden Einzelnen unter ihnen aus, da die gleiche Menge nun unter einer größeren Zahl an Personen verteilt werden muss. Doch an so etwas denken die Flüchtigen in diesem Moment nicht, was natürlich in Anbetracht ihrer Situation und ihres Hintergrundes nachvollziehbar für mich ist. Für sie geht es ums Überleben, und dabei muss jeder ein bisschen egoistisch denken.

Und Deutschland muss einig die Krise abwenden, auch wenn sich viele Bürger von der Kanzlerin verraten fühlen und deshalb ihrem Unmut Luft machen. Sie fühlen sich vorgeführt und genötigt, die Suppe auszulöffeln, die ihnen die Politik versalzen hat. Von unglaublich wichtiger Bedeutung ist es, sich die Argumente beider Seiten anzuhören und zu versuchen die Sichtweise der anderen zu verstehen. Nicht jeder Asylgegner ist gleich ein Nazi, er äußert wie jeder andere nur seine Meinung. Es gilt aber dennoch zu differenzieren, da die aufgeheizte Stimmung Menschen anfällig für propagierten Fremdenhass durch Pegida, die AfD und sonstige Organisationen macht. Dies nährt die Angst, genauer die Verlustangst der Alt-Etablierten. Sie fürchten all das zu verlieren, was sie in ihrem eigenen schönen Deutschland an Besitz und Gut erworben haben, doch das ist völliger Nonsens. Gerade die Bevölkerung im Osten Deutschlands sorgt sich vor ihren zukünftigen Nachbarn. In der Republik leben aktuell rund 16,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, doch nur weniger als vier Prozent davon leben im Osten. Die Integration von Massen an Menschen ist bereits erfolgreich vollzogen und doch ist dieser Fortschritt wohl nicht bis dort hin vorgedrungen. In Großstädten verhält sich das Ganze nun wieder anders, doch in den weniger urbanen Gegenden des Ostens ist es vermutlich einfach die Angst vor dem Unbekannten, die diese Menschen zu ihrer feindlichen Gesinnung treibt. Ein Punkt, in welchem man all diesen Miesepetern aber immerhin zustimmen muss ist folgender. Die Gefahr, dass sich unter den Flüchtlingsstrom auch Anhänger nahöstlicher Terrorzellen gemischt haben, ist schwierig zu verneinen. Da viele der Migranten auf ihrer Odyssee Hab und Gut, oft inklusive ihrer Papiere, zurücklassen mussten beziehungsweise verloren haben, war es einige Zeit lang äußerst einfach, die Grenzen nach Deutschland unbemerkt zu überqueren. Zwar gab es einige Tests, wie Sprachüberprüfungen, die beweisen sollten, dass es sich zweifelsfrei um aufzunehmende Syrer handele, doch schließt es nicht gänzlich aus, dass sich zum Beispiel Kämpfer des IS durch die Kontrollen mogeln. Mit Sicherheit werden die nächsten Jahre nicht ohne ein Knirschen im Getriebe verlaufen. Es wird hie und da wahrscheinlich auch leider Attentate und Ähnliches geben, zumindest kann ich dies nicht ausschließen. Und auch die Integration wird nicht in jedem Fall gut verlaufen, womöglich wird es verarmte, unsere Sprache nur begrenzt beherrschende Ausländer geben. Das sind aber alles Probleme mit denen der Staat und seine Politik rechnen und sich Sicherheitsmaßnahmen überlegen muss.

Doch genau diese Politik ist es, die sich verändern muss. In der Zukunft werden alteingesessene Konservative vor die Wahl gestellt werden, sich  entweder zu verändern oder abzudanken, es werden große Umstrukturierungen im Lande vollzogen werden müssen. Denn nicht nur die Sicht vieler Politiker auf diese aktuelle Affäre ist veraltet, nein, Deutschland benötigt mit der Zeit eine Revolution im Bezug auf seine politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Ansichten. Und diese wird kommen. Sitzen die momentan regierenden Politiker erst einmal in ihrem Schaukelstuhl im Altersheim, wird eine neue Generation und mit ihnen ihre überholten Ideologien an der Macht sein, und die Ehemaligen können sich gemächlich zurücklehnen und zusehen, wie Deutschland die Probleme angehen wird, die sie nicht zu lösen vermocht haben. Überspitzt könnte man vermutlich auch sagen, dass Deutschland in den nächsten Jahrzehnten eine Götterdämmerung naht.

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3 Gedanken zu “Flüchtlingskrise Pt. 2 – Die Götterdämmerung

  1. Ich glaube auch, dass es da einige Änderungen geben muss, auch im Bezug der Mentalität- aber in ganz Europa. Ich merke, dass Deutschland und Schweden ziemlich alleine gelassen werden mit dieser Thematik und kann die Überforderung der deutschen StaatsbürgerInnen nachvollziehen. Ich glaube, was man jetzt braucht sind klare Anweisungen für die HelferInnen und geordnete Ressourcen. Ungern, die Niederlande usw. sollen mal ordentlich die Leviten gelesen werden, ich habe das Gefühl, dass auf die Deutschen (und nein, ich bin Italienerin) gelebt wird- auch innerhalb der EU. Ich fände es schade, wenn in dieser „Krise“, dies als wahres Gesicht der EU zum Vorschein kommt. Ich bin selbst Ehrenamtliche bei uns am Bahnhof und die meisten Flüchtlinge wollen eigentlich wieder zurück. Da gab es schon Tränen, aber z.B. die eritreische Diktatur wird von der EU finanziert, da kann man nicht mehr viel machen. Die EU (und auch die anderen westlichen Länder) handeln absolut widersprechend. Zuerst schließen sie Mrdgeschäfte mit Waffen ab und dann beschweren sie sich über die Konsequenz. Da muss wirklich noch viel passieren. Gute nacht dir

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    1. Wie du teile auch ich die Angst, das dieses Europa wofür wir solange gekämpft haben und letztendlich eine aus unserer Sicht so funktionierende Vollendung dieses Projekts erreicht habe, sich letztlich als funktionslos herausstellt. Es tut weh, zu sehen, wie manche Länder ihrem Egoismus freie Bahn lassen, angesichts einer humanitären Katastrophe eines solchen Ausmaßes, dass sie uneins nicht zu stemmen ist.

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