Das Chaos nach Syrien

Am heutigen Freitag, dem 04. Dezember 2015, hat der Bundestag mit einer enormen Mehrheit von 445 zu 146 Stimmen für einen militärischen Einsatz deutscher Kräfte in dem krisengeplagten Nahoststaat votiert. Dieses Abstimmungsergebnis bewilligt nun den Einsatz von 6 Aufklärungsflugzeugen des Typs Tornado, einem Tankflugzeug, welches es ermöglicht, den Treibstofftank von Jets in der Luft aufzufüllen und letztlich auch noch Fregatten, die verbündeten Kriegsschiffen im Einsatz Geleitschutz bieten sollen.

Katastrophale Kollateralschäden

Doch mit den militärischen und logistischen Mitteln migrieren wir ebenfalls das Zeugnis einer vor Orientierungslosigkeit ausufernden Politik nach Syrien. Augenscheinlich ist es noch nicht bis in die Gefilde der deutschen Regierung vorgedrungen, doch was in der aktuellen, bereits eskalierten Lage am wenigsten von Nöten ist, sind weitere überstürzte und womöglich unüberlegte Handlungen. Bereits nach der katastrophalen Reaktion seitens Hollandes auf die Attentate des 13. November in der französischen Hauptstadt sollte dies aber doch realisiert worden sein. Blind vor Vergeltungswut erteilte dieser unverzüglich nach den Anschlägen den Befehl, die als IS-Hochburg bekannte Stadt Rakka im Norden Syriens mittels Luftschlägen zu verwüsten. Damit, dass die Dschihadisten extrem gute Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten besitzen, hatte er wohl aber nicht gerechnet. Traurige Bilanz der Bomben sind getroffene Zivilgebäude, Krankenhäuser und Schulen – wieder sind viele Tote zu zählen, nur nicht auf der Seite des IS, denn dieser hatte seine Anhänger zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Stadtgebiet evakuiert.

Gelernt hat man daraus aber offensichtlich nicht allzu viel. Denn nach und nach entscheiden sich immer mehr Staaten ganz gemächlicher Manière, auch selbst mehr oder weniger militärische und politische Hilfeleistungen in den großen Anti-IS-Wok zu schmeißen, den Francois Hollande ausgerufen hatte (Jüngst auch Großbritannien). Wesentliche Bestandteile einer weitläufigen, Erfolg verheißenden Militäroperation lassen aber auf sich warten, so zum Beispiel ein UN-Mandat, dass das gesamte Vorhaben zu seiner wirklichen Legitimation aber wohl nötig haben würde.

Mindestens genauso orientierungslos wie die Migrationskrise

Meiner Meinung nach lassen sich in diesem Durcheinander erschreckend viele Parallelen zum europäischen Flüchtlingsmanagement aufzeigen, welches nicht gerade von Einigkeit und durchdachter Logistik geprägt war. Bedauerlicherweise fehlt eine oberste Instanz, die doch die EU, die UN oder die NATO zu sein hätten. Doch scheinbar werden Lösungsansätze für die Probleme dieser Tage vorzugsweise aber auf nationaler Ebene oder auf einem zwischenstaatlichen Fundament der Freundschaft zwischen zwei oder mehr Staatschefs oder zumindest deren Kooperation basiert.

Es ist ein Zeugnis nationaler Arroganz und Beschränktheit, das es zu diesem Zeitpunkt unmöglich macht, die katastrophalen Zustände im Nahen Osten wieder geradezubiegen. Was den IS nicht umbringt, macht den IS stärker, diese Redewendung ließ sich schon lange nicht mehr so passend in einen Kontext einfügen.

Der IS schärft seine Messer

Und was hält das Ziel der geplanten beziehungsweise sich bereits in vollem Gange befindenden Angriffe vom internationalen Konsens tot gesehen werden zu wollen? In einer propagierten Überlieferung heißt es, dass in der kleinen und eigentlich so unbedeutenden Stadt Dabiq, die sich im Norden Syriens befindet, die endgültige Schlacht des Dschihad bestritten werden wird. Unglücklicherweise unkt der Prophet Mohammed aber nicht nur, dass sich die Ungläubigen dort „unter 80 Flaggen vereinen, und unter jeder Flagge sind zwölftausend (Männer)“, nein auch den Sieg der Gläubigen (laut IS der IS) wird vorausgesagt. Von Angst vor der militärischen Konfrontation kann also keine Rede sein.