Religion ist die größte Propagandamaschine der Welt

Und nehmen wir mal an, du machst dann irgendwas Banales, zeigst der Welt den nackten Arsch und hoffst, dass es eigentlich egal ist. Doch ein paar sehn‘ darin Zeichen, drohn‘ dem Rest weil diese echt sein, baun sich Schlösser aus Gedanken, glauben selbst, dass sie im Recht sein. Das alles tun sie deinetwegen, vergessen ihr eignen‘ Leben, du bist ihre Droge ihre Sehnsucht und sie bleiben kleben – durch dich macht das Leben Sinn und du wirst darin zum Mittelpunkt. Jeder der noch zweifelt wird bekehrt oder vernichtet und alle knien‘ sie nieder wenn nur jemand deinen Namen spricht –           Wieso nur diese Demut und die Regeln? Langsam fragst du dich:                   Denkt ihr, ich sei eitel, mir zu schmeicheln würd‘ euch besser machen?

Mit diesem Auszug aus dem Text des Liedes „Geschenk“ des Hip-Hop-Künstlers und Mitbegründers des Label ersguterjunge, D-Bo, möchte ich diesen äußerst polarisierend betitelten Beitrag beginnen. In dem Stück spricht das lyrische Ich aus der Perspektive eines Gottes und kritisiert den Religionswahn. Auch die Visualisierung ist meiner Meinung nach äußerst sehenswert und deshalb hab ich das zugehörige YouTube-Video hier verlinkt. Dieser Tage scheint die Religion in unserer als so offen und modern geschätzten Welt häufig ein Artefakt aus einer längst vergangenen Zeit zu sein. Ungeachtet dessen aber erfreut sie sich nach wie vor einem immensem Zulauf, welcher Konfession auch immer. Doch sie macht noch mehr.

Schon seit Urzeiten ist sie der größte Kriegstreiber, den die Menschheit jemals gesehen hat. Man denke beispielsweise an die mittelalterlichen Kreuzzüge, den Dreißigjährigen Krieg oder auch an die heutigen Gräueltaten des Islamischen Staates. Natürlich darf man nicht außer Acht lassen, dass hier die Religion immer nur ein Mittel zum Zweck war und ist, doch steht außer Frage, dass sie stets das Potential besaß, instrumentalisiert zu werden. Keineswegs möchte ich gläubige und friedliche Religiöse kritisieren – bitte versteht mich nicht falsch. Es ist mir natürlich klar, dass sich der Großteil der Gläubigen zu dieser zuletzt genannten Gruppe zählen lässt. Aber es gibt immer Idioten. Im Folgenden werde ich versuchen meine persönliche anti-kirchlich orientierte Sichtweise zu unterbreiten.

Fortwährende Reproduktion primitiver Weltanschauungen

Die sogenannten Heiligen Schriften ein jeder Religion sind alt. Wenn wir das Ganze mal anhand der Bibel des Christentums betrachten, kommen wir sogar auf ein äußerst stattliches Alter, denn noch bevor die Geschichten des Alten Testaments niedergeschrieben wurden, waren sie bereits unzählige Jahrhunderte per Mundpropaganda unterwegs. Erst nach dieser schwammigen Art der Überlieferung haben sie letztendlich ihren Weg in dies staubige Buch gefunden. Betrachtet man diesen Vorgang jetzt mal etwas abstrahiert und objektiv, so kommt man zu folgenden zwei Gedanken: Erstens einmal kommen Nachrichten, die nach dem Prinzip der Stillen Post übermittelt werden bei dem Empfänger mit einer solch verfälschten Botschaft an, dass ihr nur doch die in letzter Zeit publizierten Statements des VW-Konzerns in Sachen Zuverlässigkeit Konkurrenz machen könnten. Zweitens, und das sollte dem modernen Menschen noch weitaus mehr Stirnfalten bescheren, gibt es eine wesentliche Sache, die uns von den Menschen von damals unterscheidet: ein aufgeklärter Bildungsstand. Bekanntermaßen waren Irrglaube und Theorien, die sich später als vollkommen absurd herausgestellt haben, Gang und Gebe bei unseren Vorfahren. Wer kann es ihnen auch verdenken? Schließlich macht dem Menschen von Natur aus alles Angst, das ihm unbekannt ist und das er nicht zu verstehen vermag. Um das Gesamtbild seiner Welt dennoch stimmig aussehen zu lassen, erfand der Mensch Mythen, die ihm genau das klipp und klar erklärten, was ihm so viele schlaflose Nächte der vergeblichen Erklärungsversuche beschert hatte. Auf diese Weise kamen Drachen, Götter, Hexen und all jene Fantasiewesen in seine Gedankenwelt, die das menschliche Gehirn fähig war zu illustrieren. Übrigens ist diese Produktion der Mythen auch heute noch nicht zum erliegen gekommen, nein, heute haben sie nur unter dem Terminus Verschwörungstheorie ein neues Gewand bekommen. Doch zurück zum Thema. Es gibt keine stichhaltige Begründung, die mich nachvollziehen ließe, warum Menschen denn nun heutzutage Götter verehren, aber die griechische Mythologie nur als Relikt aus Geschichtsbüchern ansehen, die sich gut als Material für Kino-Blockbuster eignen. Oder warum wir keine Hexen mehr verbrennen, Tiere zum Opfer anbeten oder uns auch sonst nicht mit all jenen Beschäftigungen die Zeit vertreiben, denen die Leute früher aus tiefster Überzeugung nachgegangen sind. Bewusst habe ich soeben nur Beispiele angeführt, die eigentlich dank der Begründung für die Existenz eines Gottes auch nicht widerlegt werden könnten. Nämlich genau das, sie können nicht widerlegt werden und das ist auch das Schlagargument des Glaubens. Oberste Tugend ist dementsprechend natürlich daran nicht zu zweifeln, dass es diesen so oft beschriebenen Gott auch tatsächlich gibt. Aber weshalb denn eigentlich? Naja, weil sonst kommst du ja nicht in den Himmel. Wie denn jetzt? Ich dachte, alle Sünden würden vergeben werden und egal was man tut, letztendlich landet man bei allen anderen im Paradies? Na gut, wie dem auch sei, die Illusionen und Vorstellungen des Menschen wachsen mit seiner Vorstellungskraft und da diese mittlerweile in hohem Maße ausgeprägt ist, gibt es vielleicht den Glauben an Drachen nicht mehr, doch andere fragwürdige Gedanken existieren nichtsdestotrotz. Und der Glauben ist einer davon.

Größte Propagandamaschine der Welt

Obiges bringt mich daher auch zu der Betitelung meines Aufsatzes. Die Kirche ist die größte Propagandamaschine der Welt. Wenn mir dies jemand zu widerlegen weiß, nur zu. Wie dem auch sei, die Kirche verbreitet seit ihren Anfängen eine Weltanschauung, die nicht richtig beziehungsweise nicht zu beweisen ist. Demzufolge wird jedem Kind in der Bundesrepublik durch Schule, Kindergarten und andere staatliche Institutionen eine propagierte und nicht wissenschaftliche Grundhaltung unterbreitet, die es in seiner kindlichen Naivität nicht zu hinterfragen vermag. Solch eine Erziehung kann doch heute nicht mehr zeitgemäß sein? Man blicke nur einmal auf unseren französischen Nachbarstaat und ein dort verankertes Prinzip: die laïcité oder auf Deutsch die religiöse Neutralität. Staatliche und kirchliche Institutionen werden strikt getrennt, Religionsunterricht kann freiwillig besucht werden. Bei bestem Willen kann ich nicht nachvollziehen, wie dieses Prinzip nicht in anderen, sonst so aufgeklärten und sich auf dem Weg der Modernisierung befindenden Staaten angewandt wird. Es wäre doch so einfach und würde niemanden einschränken: Wer einer Konfession nachgehen wollen würde, könne dies tun und wer sich nicht mit theologischen Texten auseinandersetzen möchte, dem wird so etwas auch nicht vorgeschrieben. Damit wäre der Propaganda ein Ende gesetzt.

Positive Aspekte der Kirche

Natürlich ist auch nicht alles schlecht an dem kirchlichen System. Mit Sicherheit hilft es nämlich dem ein oder anderen durch schwere Zeiten zu gehen und einen gewissen Halt zu erfahren, dadurch, dass er oder sie in die Kirchengemeinschaft aufgenommen wird. Auch soll sie ja Moral und Werte vermitteln, die gute alte Kirche. Meiner Meinung nach aber brauchen wir diese Instanz dafür heute aber nicht mehr, genauso wenig wie wir sie in der Position eines Trauerbeistands brauchen. Heutzutage gibt es diverse Optionen, wie man seine Probleme lösen kann – in sehr ernsten Fällen sollte man sich an Freunde, Verwandte oder sonstige Vertraute wenden und wenn das nicht reicht, gibt es sehr kompetente Ärzte für nahezu jeden Fall. Auch sind die Ansichten der Kirche im Hinblick auf moralisches Handeln oft zu konservativ. Man sollte eine Balance finden, die unserer Gesellschaft angepasst zu sein hat und dieses Ziel erreicht man durch den realen Kontakt in der realen Welt.

 

Zum Abschließen dieser meiner Auseinandersetzung mit dem durchaus umstrittenen Thema der Religion möchte ich noch eine Sache anmerken. Ich habe hier ausschließlich meine eigene Meinung vertreten und möchte diese niemandem aufdrängen. Haltet von der Sache was ihr wollt und glaubt was ihr wollt. Keineswegs möchte ich teilnehmen an dieser nervtötenden Propagandaschlacht. Herzlich eingeladen ist auch jeder Leser hier, seinen persönlichen Standpunkt in den Kommentaren zu erläutern.